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Seit August haben viele Leute gefragt, wie es Geeta, einem von AIC ́s ältesten Residential Program Kindern, in ihrer Schule in Deutschland geht. Diese Woche haben wir es endlich geschafft, dieses vielbeschäftigte Mädchen für ein kleines Blog „Interview“ über ihr neues Leben, ihre Lieblingssachen, die schwierigsten Aspekte daran im Ausland zu leben und ihre Pläne für die Zukunft zu erwischen. Genießt es!

Hallo Geeta! Erzähl uns, was du momentan so machst!

(Lacht) Das ist ein ungenaue Frage, aber okay. Ich habe an meinem College, Robert Bosch United World College, in Deutschland angefangen. Ich habe ein volles Stipendium und werde das College für 2 Jahre besuchen. Ich genieße die Zeit am UWC, wo ich mit Studenten aus der ganzen Welt in Kontakt bin.

Wie schaut ein normaler Tag bei dir aus?

Also ich stehe zwischen 7 Uhr und 7:30 Uhr auf, ok vielleicht eher 7:45 Uhr, aber sagen wir 7:30 Uhr, das sieht besser aus. Ich habe 6 Fächer – Geschichte, Anthropologie, Englisch für Fortgeschrittene, Biologie, Mathematik und Deutsch Standard. Wir haben von 8 bis 15 Uhr Unterricht, aber an manchen Tagen endet es früher. Mittwoch ist der schlimmste Tag, weil ich meine CAS Aktivitäten (Creativity, Action, Service) von 8 bis 12 Uhr habe, dann Mittagessen, Versammlung, Tutorentreffen, dann 4 Stunden Englisch, dann Abendessen von 18 bis 19 Uhr. Es ist ziemlich anstrengend und hart sich am Ende des Tages auf die Hausübung zu konzentrieren. Meine CAS Aktivitäten sind Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Als Action mache ich Fußball, Kreativität ist Campus Videos drehen und Service ist mit Kindern zu arbeiten, die aus dem Iran und Irak immigriert sind. Am Ende des Tages mache ich Hausübung und pflege soziale Kontakte. Dann versuche ich, früh ins Bett zu gehen – aber ich schaffe es nie. Aber ich arbeite daran. Ich versuche, vor Mitternacht schlafen zu gehen.

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War es eine große Umstellung für dich nach Deutschland zu ziehen?

Also, als ich zuhause war, habe ich mir gedacht, es wird schwierig werden damit umzugehen, aber ich wusste, dass es eine gute Chance für mich ist. Jetzt da ich hier bin, fühle ich mich wirklich als Teil der Gemeinschaft. Jeder hier ist für mich da und unterstützt mich.

Genießt du die Erfahrung?

Ich liebe es! Es ist eine Herausforderung aber ich will mich selbst herausfordern. Nicht nur in akademischer Hinsicht, sondern auch in anderen Gebieten, wie die Initiative zu ergreifen. Ich habe viele Dinge gelernt… hier zu sein hat mich gelehrt, verantwortungsvoller zu sein, die Initiative zu ergreifen, speziell die CAS Aktivitäten die wir in der Schule machen.

Was ist der beste Teil?

Es gibt so viele Dinge zu erzählen! Ich habe einige enge Freunde und ich liebe, wie sie mich unterstützen. Und ich liebe auch meine Zimmerkollegen. Sie sind immer da, um mich emotional zu unterstützen. Und die Lehrer sind großartig! Sie laden uns zu sich nach Hause zum Abendessen ein und sind immer da, um über alles, worüber wir reden wollen, zu reden.

Und es gibt sicher auch negative Aspekte?

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Also, es gefällt sicher niemandem, die ganze Zeit zu lernen. An manchen Tagen fühlt es sich an, als ob wir nur essen, schlafen und lernen. Manchmal war es frustrierend, wenn ich Konzepte nicht verstehen, aber ich denke, dass es leichter für mich wird, wenn ich daran arbeite.

Was sind die Unterschiede zwischen dem UWC Modell und deiner vorherigen Highschool Erfahrung in Indien?

Also in Indien kommt man nicht so viel zum Sprechen… es gibt keine Klassendiskussionen. Aber an der RBC geht es vor allem um das Zusammenspiel mit Studenten aus aller Welt und die Ideen der anderen zu hören. Und man muss es sich nicht auswendig merken! Ich war schlecht im auswendig Lernen und das muss man hier nicht auf die gleiche Art machen. Und als ich in Indien ins Internat ging, durften wir nicht mit Jungs reden, also war ich sehr zurückhaltend. Bei RBC ist es total anders – wir können in die Zimmer der anderen gehen und dort sitzen und reden. Und einige meiner besten Freunde sind Jungs. Ich denke ich habe mich so an diese Kultur gewöhnt, dass es schwierig für mich wird, wieder zu der anderen Art, mit Jungs umzugehen, zurückzukehren. Wenn ich zurück gehe, muss ich mich daran erinnern, mich wie ein traditionelles indisches Mädchen zu benehmen – davor hab ich ein bisschen Angst!

Erzähl mit von den Reisen, die du machen konntest!

Ich bin in meiner Projektwoche in Frankreich herumgereist. Und ich war einige Male in der Schweiz, und habe Weihnachten mit Julia-Didi und ihrer Familie in Österreich verbracht. Und wenn ich Geld sparen kann, wird meine nächste Reise nach England gehen. Ich will ein paar unserer ehemaligen Freiwilligen besuchen und Sehenswürdigkeiten besichtigen. Ich war in vielen deutschsprachigen Ländern und es wäre ein Spaß, in ein englischsprachiges Land zu reisen. Einmal in der Schweiz habe ich meinen Zug verpasst und der Akku meines Handys war leer und ich hatte Julia-Didi ́s Nummer nicht bei mir. Ich musste versuchen, mit Leuten zu kommunizieren um zu fragen, ob ich ihr Handy ausborgen kann um mich auf Facebook einzuloggen und Julia-Didi eine Nachricht zu schicken um ihr zu sagen, was passiert ist. Das hat mich gelehrt die Initiative zu ergreifen und an meinem Deutsch zu arbeiten. Und immer daran zu denken, mein Handy aufzuladen.

Geeta

Vermisst du deine AIC Geschwister?

Ich vermisse sie sehr! Ich rede manchmal mit ihnen wenn sie in den Ferien zuhause sind, aber ich bin traurig, wenn sie nicht zu der Zeit die wir ausgemacht haben online sind, um mit mir zu reden. Ich habe versucht, mit jedem einzelnen über die Bewerbung bei UWC zu reden. Das wäre sehr nett, nicht nur weil sie in meine Fußstapfen treten sondern auch weil sie auch ihre Träume leben könnten.

Was an deinem AIC Familienleben vermisst du nicht?

Hausarbeiten natürlich! Katzendreck war die schlimmste Hausarbeit, auch wenn ich Katzen liebe. Und Küchendienst – speziell wenn Tushar oder Santosh mein Partner war – ich musste sie 100 Mal rufen, damit sie mir helfen.

Wann fährst du zurück nach Indien?

Also wir haben ab Ende Mai Sommerferien. Mein Plan ist, für ein paar Wochen nach Indien zu fahren und alle zu sehen, dann nach Europa zurück zu kommen, einen Teilzeitjob zu finden und für den Rest des Sommers zu lernen. Oder vielleicht für 1 Monat in Indien zu bleiben und SAT Vorbereitung zu machen bevor ich zurück komme. Jetzt da ich 18 bin, ist es nicht so, dass ich aus dem Haus geworfen werde, aber ich will unabhängig sein.

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Welche Zukunftspläne hast du im Moment?

Oh Mann. Meine Priorität ist mich für Colleges im Ausland für nächstes Jahr zu bewerben. Ich wäre gern Sozialarbeiterin und Fotografin gleichzeitig. Ich mache Anthropologie auf einer höheren Stufe und das würde ich gern fortsetzen weil ich glaube es hilft mir mein Ziel zu erreichen Sozialarbeiterin zu werden.

Es ist lustig, dass du Sozialarbeiterin werden willst – als Kind bei AIC, anstatt Mutter-Vater-Kind oder Schule zu spielen, hast du gespielt, dass du ein Waisenhaus leitest und du hast vorgegeben am Telefon mit Sozialarbeitern über die Aufnahme von neuen Kindern zu sprechen.

(Lacht) Ich habe deine Rolle gespielt „Haupt Didi“. Mann, es ist peinlich diese Geschichten zu hören wenn man erwachsen ist.

Denk an deinen 1. Tag bei AIC zurück.

(unterbricht) Oh Mann, ich war das schlimmste Kind.

Also, du warst ziemlich wild… soviel steht fest. Wenn du an deinen 1. Tag zurück denkst hättest du dir vorstellen können, dass diese internationale Erfahrung in deiner Zukunft liegt?

Ehrlich gesagt wusste ich nicht mal, ob ich überleben würde. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich so ein wildes Kind war. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet. Ich dachte, ich würde in die Schule gehen, ein bisschen Englisch lernen. Nein, ich habe definitiv nicht gedacht, dass die Dinge so enden. Das ist wie ein wahrgewordener Traum!