Die kleine Priya, die wir liebevoll Piyu nennen, ist 3 Jahre alt und hat gerade das einjährige Spielgruppenprogramm bei AIC abgeschlossen. Sie beginnt im Juni mit der Krabbelgruppe. Vor kurzem setzten wir uns mit ihrer Mutter zusammen, um ihre Gefühle zu AIC, der Spielgruppe und der Waghri-Gemeinschaft, mit deren Mitgliedern AIC arbeitet, zu besprechen.

Priya at playgroup (© Sarah Lauzé Photography)

Priya at playgroup (© Sarah Lauzé Photography)

Ihre Mutter, Pinchu, arbeitet seit 2008 im Bildungsprogramm von AIC. Während unseres Gesprächs beschreibt sie die schwierigen Umstände, die die Unterstützung von AIC zu einem wichtigen Anker in ihrem Leben gemacht haben:

Vor einigen Jahren habe ich geheiratet und bin nach Mumbai gezogen. Dort gab es viele Probleme und ich konnte mich nicht eingewöhnen – es gab keine Arbeit und wir lebten bei den Verwandten meines Mannes. Wie lange kann man von der Großzügigkeit anderer leben? Wir hatten weder Haus noch Geld. Nach ein paar Monaten sagte ich meinem Mann: “Das funktioniert so nicht für mich. Ich gehe wieder zurück nach Pune.” Ich bekam meinen Job bei AIC zurück und war Alleinverdienerin. Mein Mann arbeitete nicht, also musste ich mit meinem Gehalt für Miete, Haushaltsgeld und alles andere aufkommen.

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Playgroup (© Sarah Lauzé Photography)

Mein Mann und ich haben immer gestritten. Einmal verschwand er nach so einem Streit – ich war damals schwanger. Er kam erst zurück, als ich das Kind bekommen hatte. Er kam zurück, aber es war wieder dasselbe wie zuvor. Er war so seitdem wir geheiratet hatten. Als meine Tochter Piyu 10 Monate alt war, verließ er uns wieder. Er kam vor zwei Wochen zurück – nach zweieinhalb Jahren. Wenn ich darüber rede, muss ich weinen, also versuche ich nicht darüber zu reden.

Momentan lebe ich in dem Haus meiner Mutter. Piyu ist 3 Jahre alt und beginnt bald mit der Krabbelgruppe bei AIC. Ich kann mich auf meinen Mann nicht verlassen. Ich verdiene Geld und damit kann ich mein Leben leben. Ich habe Piyu bis jetzt alleine groß gezogen – trotz aller Herausforderungen und Hindernisse. Ich habe es geschafft, weil ich diesen Job habe, sonst hätte ich das nicht tun können. Wegen diesem Job habe ich es so weit geschafft.

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Playgroup mothers and children (© Sarah Lauzé Photography)

Pinchu hatte auch einiges über ihre Gemeinschaft, eine der zwei großen Gruppen mit denen wir arbeiten, zu sagen:

Waghris sind nicht an Schulbildung interessiert. Waghris sind nicht gebildet – also was wissen sie über Bildung? Wir sind alle Analphabeten und unterschreiben mit unserem Fingerabdruck. Die Menschen glauben, es ist nicht notwendig ihre Kinder auszubilden. Sie sind daran interessiert zu essen, zu baden und andere grundlegende Dinge des Lebens zu tun. Es gibt viele Probleme im Slum. Viele Familien haben nichts zu essen. Wenn sie es schaffen, Dinge am Markt zu verkaufen, dann essen sie. Wenn sie es nicht schaffen, dann essen sie nicht. Es gibt viele Häuser, die kein fließendes Wasser haben. Es gibt Familien mit einer Mutter, aber keinem Vater, Familien wo die Mutter oder der Vater davongelaufen sind und die Kinder zurückgelassen haben.

Die Frauen sind diejenigen, die die Arbeit machen – sie handeln mit gebrauchter Kleidung. Die Männer arbeitet einen Tag und dann wieder zwei oder drei Tage nichts. Die Frauen sind diejenigen, die den Stress haben – die Situation der Frauen in unserer Gemeinschaft ist sehr schlecht. Es gibt viele Probleme in unserer Gemeinschaft. Ich rede nicht sehr viel über diese Probleme, aber ich sehe jeden Tag, dass sie passieren.

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Pinchu and Priya (© Sarah Lauzé Photography)

Die wöchentliche Spielgruppe hat Pinchu das Selbstvertrauen und den Mut gegeben, um dem Druck der Gemeinschaften standzuhalten und für das Recht ihrer Tochter auf Bildung und eine bessere Zukunft zu kämpfen. In der Spielgruppe ist sie von anderen Müttern umgeben, die in ähnlichen Situationen sind und bekommt die Unterstützung und Führung von ausgebildeten Lehrern und Coaches:

Ich werde meine Tochter ausbilden lassen. Alle Lehrer und Coaches hier sagen zu mir: “Sie ist ein Mädchen, du musst sie ausbilden lassen.” Sie ist so ein gutes, gescheites Mädchen. Ihr Vater hat kein Interesse an ihr – ihm reicht es, umherzuirren, irgendwo zu schlafen, irgendwo zu essen. Er glaubt nicht, dass seine Tochter lernen sollte. Er meint sie sollte arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen. Auch jetzt sagt er noch: “Kündige den Job und geh mit mir nach Mumbai.” Ich sage:, “soll ich kommen und mit dir betteln gehen? Du isst irgendwo und schläft auf der Straße – das ist nicht das Leben, das ich für meine Tochter will.” Ich bin verantwortlich für sie und muss an ihre Zukunft denken. Ich muss für ihre Ausbildung sparen. Ich habe ihm gesagt: “für unsere Tochter werde ich niemals nach Mumbai gehen. Ich werde dich vorher verlassen, bevor ich diesen Ort verlasse.”

Mit Ihrer Unterstützung hat AIC es geschafft die Aufgaben des Bildungsprogrammes – Betreuung von der Geburt bis zur abgeschlossenen Ausbildung weiterzuführen und kann so sicherstellen, dass die Kleinen wie Priya an jedem Punkt ihres Lebens unterstützt werden. Die Spielgruppe ist ein integraler Teil der frühkindlichen Erziehung und wir sind stolz, dass wir Priya und ihre Mutter auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft unterstützt haben.

Drawing (© Sarah Lauzé Photography)

Drawing (© Sarah Lauzé Photography)